200km Brevet der ACP/BRM, ARA Hamburg, 14.04.2006
Armin Quante, Eckernförde 
  

Bilder von Claus Czycholl


Eine lang anhaltende Bronchities machte meine Radsport-Pläne im Frühjahr 2006 völlig zunichte. Die sehr frühen Brevets, die Stefan Landtau ab Kiel organisierte, konnte ich leider nicht antreten. Zum Glück gibt es in Norddeutschland jedoch mehrere Möglichkeiten Brevets zu fahren. Zum ersten Hamburger 200km Brevet am 1.April spielte meine Lunge nach gut 6 Wochen Pause immer noch nicht mit. Nachdem ich dann eine Woche danach eine vorsichtige 120km Runde um die Schlei drehte und meine tägliche Fahrt nach Kiel wieder aufnahm, wagte ich es dann doch mich für den am 14.April stattfindenden zweiten 200km Brevet der Audax Randonneurs Allemagne-Hamburg anzumelden. Es war zudem die letzte Möglichkeit für mich in diesem Jahr die Brevet-Reihe mit einem 200km Brevet anzugehen. Ein späterer Einstieg mit 300km oder mehr, halte ich nach der Zwangspause etwas gewagt. Ausserdem würde ich dann die Superrandonneur-Reihe 200-300-400-600km nicht eingehalten. Also machte ich mich mit gemischten Gefühlen auf den Weg nach Hamburg.

Dreiundzwanzig Teilnehmer fanden sich am frühen Morgen des 14.April an der Gesamtschule Hamburg-Horn ein, um am 200km Brevet teilzunehmen. Kurz vor dem Start noch ein paar Worte von Organisator Claus Czycholl, dann ging es Punkt 8 Uhr los in Richtung Ostsee. Der Weg führte durch kleine Wohngebietswege hinaus aus Hamburg. Mit viel Rückenwind ging es von Barsbüttel erstmal ostwärts, und das Tempo war ohne große Mühe stets über 30km/h. Dann änderte sich der Kurs nach Nordosten, der Wind kam nun hauptsächlich von schräg hinten.

Nach etwa 25km hatte einer der drei Liegeradfahrer einen Platten, die beiden anderen Liegeradler leisteten Support, der Rest fuhr weiter. Das Tempo ging weiter hoch, und es musste jetzt trotz Schiebewind auch etwas getan werden um in der Gruppe zu bleiben. Einige ließen sich zurückfallen, und sie wussten warum. Die Strecke führte durch eine hügelige und landschaftlich schöne, und mir völlig unbekannte Gegend.

Meist fuhren wir auf verschlafenen kleinen Nebenstrassen, aber auch gelegentlich auf kurzen Teilen von Kreis- und Landesstrassen. Da die Strassenbeläge anfangs noch überwiegend nass waren, sahen wir schnell entsprechend gesprenkelt aus. Man muss also nicht unbedingt Cross fahren wenn man richtig schmutzig werden will. Ecki zerlegte es auf einer glittschigen Schlickpassage, aber er war schnell wieder am Rollen. Dann noch ein Platten, kurz vor der ersten Kontrolle in Reinfeld. Die Gruppe wartete jedoch. Wir wurden dabei von den Nachzüglern überholt. Claus rief im Vorbeifahren: „die alten Herren fahren schon mal vor“.

Erste Kontrolle Reinfeld
Bei der ersten Kontrolle an der Esso-Tankstelle in Reinbeck, gab es nur etwa 3-4 Minuten Halt, dann saßen die meisten schon wieder auf dem Rad, ich spurtete hinterher mit den Handschuhen zwischen den Zähnen, die ich dann einfach während der Fahrt anzog.

Etwa zehn Kilometer später zerfiel die Gruppe langsam in zwei Hälften. Ich blieb in der langsameren Hälfte, weil ich mir meiner Kräfte noch nicht sicher war, ausserdem wusste ich, dass es zurück strammen Gegenwind g
eben wird.





An der zweiten Kontrolle, einer Tankstelle in Ahrensbök, trafen wir die Schnelleren dann jedoch noch einmal. Einige wechselten die Gruppe, es blieb aber bei zwei Gruppen mit unterschiedlichem Tempo. Morten, einer der Liegeradler, war inzwischen zu uns aufgeschlossen. Wir waren nun eine Gruppe mit sieben Leuten, darunter Claus, und auch Manuela die einzige weibliche Teilnehmerin des Brevets. Das letzte Stück bis zum Wendepunkt Timmendorfer Strand war noch mal eine landschaftlich sehr schöne Strecke, mittlerweile kam auch die Sonne immer öfter hervor, und wir genossen das Dahingleiten. Bisher hatten wir nur kurz nach Hamburg ein paar kurze und leichte Schauer. Das praktische war, Claus kannte die Strecke, und wir brauchten die Karte selten. Ich versuche dennoch immer wieder mich anhand der Streckenbeschreibung in der für mich unbekannten Gegend zu orientieren.


Die Strandbude als Kontrollstaion

Am Timmendorfer Strand herrschte reger Betrieb. Wir schlängelten uns durch die Menschenmassen bis an den Strand, machten ein paar Beweisfotos, dann noch schnell Wasserauffüllen in ein Blumengeschäft, und schon waren wir wieder auf dem Rückweg. Die Rücktour verlief teilweise auf der gleichen Strecke, nur um die beiden letzten Kontrollen Zarpen und Trittau zu erreichen, fuhren wir jeweils einen Extra-Bogen. Immer wieder trafen wir ein paar Nachzügler, die uns entgegenkamen. Darunter auch die beiden anderen Liegeradfahrer. Bei jeder Begegnung wurde fröhlich gegrüßt.

Am Timmendorfer Strand

Es ging nun ständig gegen den Wind, der mit 4 Windstärken meist leicht schräg von vorne blies. Gelegentlich waren auch stärkere Böen dabei. Die Windkante verlief dabei nicht immer gerade günstig. Morten und ein anderer Mitfahrer, der ständig in extrem hohen Gängen fuhr, konnten nach eine Weile nicht mehr mithalten. Sie ließen sich schließlich zurückfallen. Vor allen die ständigen Hügel machten Morten auf dem Liegerad zu schaffen. Der Gegenwind bremste den Randonneur, der sich beharrlich weigerte auch nur einen Gang runter zu schalten. Ich konnte es manchmal nicht glauben, wie er sich mit der Kette fast ganz rechts die zahlreichen Hügel im Stehen hochquälte.

In Zarfen gab Stempel mit Cola
Die ersten 40km des Rückwegs teilten Olaf aus Berlin und ich uns öfters die Führungsarbeit. Nach einer eiskalten Cola auf Ex, bei der
Kontrolle in Zarpen (km138), ging es mir dann nicht so gut. Außerdem bekam ich schlecht Luft, weil meine Lunge nach der langen Bronchities noch nicht völlig frei war. Dafür fuhr Claus nun oft vorne. Er hielt stur und gleichgültig sein Tempo. Dabei war ihm keinerlei Anstrengung anzumerken, während wir anderen immer wieder japsten. Die jahrelange Erfahrung des Kräfteeinteilens zeigte sich hier nun sehr deutlich. Claus der einige Jahre mehr als wir anderen auf dem Buckel hat, hätte uns sicher auch stehen lassen können.
Zwischendurch kam ein Schauer auf uns nieder, aufgrund des Windes waren wir jedoch im Nu wieder trocken. Mir persönlich wäre etwas mehr Regen und dafür weniger Wind lieber gewesen.



Bei der letzten Kontrolle in Trittau erfuhren wir, dass die erste Gruppe einen Vorsprung von nur einer Viertelstunde hat. Auch der letzte Stopp wurde entsprechend kurz gehalten. Claus bemerkte nebenbei: „maximal sieben Minuten Halt“. Die letzten 30km ging es mir dann wieder besser und ich konnte wieder ab und zu einige Kilometer vorne fahren. Olaf der viel Führungsarbeit leistete, hatte dafür nun einen Hungerast und ich half ihm mit zwei Riegeln aus, die ich mittlerweile ohnehin nicht mehr essen mochte. Die letzten Kilometer im Hamburger Randgebiet hängten wir uns guten Glaubens an Claus, der diese Tour auch mit verbundenen Augen fahren könnte (seine gelegentliche Wochenendtour um an der Ostsee Eis zu essen).

In der Mensa der Gesamtschule wartete schon die Führungsgruppe auf uns, als wir gegen 16:45 Uhr ankamen. Der Wind hat uns ganz gut ausgebremst.
Nach und nach trafen noch ein paar Nachzügler ein. Wir stärkten uns dann bei einem gemütlichen Klönschnack mit heißer Suppe, Tee und Kaffee, serviert von Auli Czycholl, und verfielen in lange Gespräche bis wir uns dann nach und nach verabschiedeten.